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Im Namen der Gemeinde Hartberg Umgebung und des Vereins Villa Rustica möchten wir Sie hier bei den Ausgrabungen eines römischen Gutshofes recht herzlich begrüßen.

Sie sehen auf die über den Originalmauern errichteten Mauern einer Villa Rustica, eines römischen Landgutes aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Die Mauern über die Mauerreste der Villa zu setzen soll diese vor weiterer Zerstörung durch den sauren Regen schützen. Die Größe der Villa lässt auf eine Repräsentationsvilla schließen. Das ergrabene Areal ist fast 2400 m² groß. Die sie umgebende große Begrenzungsmauer umschloss ein Gebiet das 180m mal 175m. Die Villa wurde Ende des 5. Jahrhunderts, als die Römer unser Gebiet verließen, aufgegeben. Das Landgut wurde nicht zerstört, sondern ist in sich zusammengefallen.

Seit einer geophysikalischen Prospektion 2017/18 wissen wir, dass es eine Vorgängervilla aus dem 1. Jahrhundert nach Chr. gegeben hat. Sie liegt etwa 30m entfernt westlich der Ausgrabungsstätte. Diese 1. Villa wurde vollständig geschleift und ihr Baumaterial in der neuen Villa wiederverwendet. Der Fund eines römischen Offizierskopfes und eines Hausaltars in den Mauern der ergrabenen Villa ließen schon immer die Vermutung eines Vorgängerbaus zu. Das Grundstück auf dem die Villa liegt, war mit dem Flurnamen „versunkenes Schloss“ in der Bevölkerung präsent. Man wusste schon lange, dass hier ein Gebäude von Bedeutung gestanden haben musste, aber erst 1960/61 wurde vom Joanneum Graz eine Grabung durchgeführt. 1997-2002 wurden die Mauern restauriert und weitere Grabungen vom Bundesdenkmalamt erledigt.

Werfen sie nun einen Blick auf den Übersichtsplan der Villa. In jedem Raum finden sie eine kleine Tafel, mit Nummer und Kurzbezeichnung. Zusätzlich sind mit Farben vier große Teilbereiche hervorgehoben. Begeben sie sich zu der dreikantigen Infosäule, die auf dem Plan mit einem roten Punkt gekennzeichnet ist.

Die Villa in Löffelbach besticht durch außergewöhnliche und aufwändige Architektur. Sie war aus Ziegeln und Steinen erbaut und mit roten Ziegeln eingedeckt. Auf der Säule ist ein Bild, wie sie wahrscheinlich ausgesehen hat. Gehen Sie weiter zum Eingang der Villa in den grün eingefärbten Bereich.

Sie betreten die größte römische Villa Rustica, die in Österreich ergraben wurde. Nun stehen sie im rechteckigen 14 x14m großen Innenhof, dem Atrium des Gutshauses Nr. 30 des Plans. Hier vor Ort blühen Lavendel und Rosen. Umgeben wurde dieser schöne Hof von einem Peristyl, einer Säulenhalle Nr.31, die 4m breit war. Von diesem Hof aus konnte man alle Bereiche der Villa betreten. Auch wir werden immer wieder in diesen Bereich zurückkehren, wenn wir die einzelnen Räume besuchen. Die Basilika, den großen Saal nördlich gelegen, die Repräsentationsräume im Osten, die Badeanlage im Westen, und einzelne kleine Räume, die sowohl im Osten als auch an der Westseite vom Hof aus ihren Zugang hatten. Diese kleinen Räume dienten als Wohn-, Schlaf und Nutzräume. Aus dem Innenhof führte eine Abwasserleitung in Richtung Westen, die auch die Latrine, die römische WC-Anlage, Raum Nr. 12, versorgte. Auch die große erhöhte Halle 9, Loggia, die Sie im Süden erkennen können, die wahrscheinlich zweistöckig gewesen ist, war von hier aus betretbar.

Gehen Sie weiter aus dem Hof in den rot gekennzeichneten Bereich in den großen Saal, die Basilika 24. Dieser etwa 170m² Raum war ebenfalls mit einer Schlauchheizung versehen. Die Funktion dieser Heizung ist auf den Wandtafeln gut dokumentiert Auch in den Räumen mit Schlauchheizung gab es Wandheizung, die hier mit Warzenziegeln ausgeführt worden war. Ein Bild finden Sie auf der Tafel später in Raum 14.

Genutzt wurde die Basilika für Verwaltungsaufgaben, Versammlungen, Gerichtsverhandlungen und natürlich für Empfänge und rauschende Feste. Dieser Raum war auch mit Wandmalereien versehen und besaß eine etwas erhöhte Apsis. Außer dem Zugang vom Hof aus, gab es hier auch einen Eingang von Osten her. Wenn Sie nun durch diesen Eingang weitergehen, kommen sie in einen Korridor Nr. 29, der einen Raum umgibt, der als Küche, Raum 28, anzusehen ist. Von hier aus konnten Gäste mit Speisen und Getränken versorgt werden. Von der Küche aus führte ein gut dokumentierter Abfluss über den Korridor nach außen.

Wir gehen aus diesem überdachten Korridor in die architektonisch bemerkenswerteste Raumgruppe unserer Villa auf dem Plan gelb gekennzeichnet, den Gästebereich. Sie befinden sich in Raum 26 mit zwei kleinen Seitenräumen 5 und 6. In den Räumen 27, 7 und 8 muss es behaglich warm gewesen sein, worauf die großzügig ausgelegte Bodenheizung schließen lässt.

Wir gehen zurück in den Innenhof und bergab vorbei an den Zimmern 4 ,3 ,2 , die als Wohn-, Schlaf- oder Nutzräume verwendet wurden. Wir erreichen die große Porticus Nr.9, die mit ihren Säulen jeden Besucher beeindruckt haben musste. Der Haupteingang des Gutshofes dürfte hier gewesen sein.

Wir biegen rechts ab an einem Esszimmer und einer Küche vorbei, den Räumen 11 und 12. Der nächste Raum ist interessant, ist er doch die Latrine gewesen, die WC-Anlage , die mit fließendem Wasser, das aus dem Innenhof kam, versehen war. Wir gehen an Raum 13 vorbei in die Badeanlage, dem blauen Bereich.

Viele Römer in den Städten gingen täglich in die Badeanstalten. Unsere Gutsfamilie leistete sich einen eigenen großartigen Badebereich. Im rechten Raum 14 hat man sich entkleidet. Hier wurde ein Ausgussstein gefunden, der darauf schließen lässt, dass hier vielleicht die Waschungen begonnen haben, bevor man die einzelnen Baderäume betreten hat. Der zentral gelegene achteckige Raum Nr.17, den wir jetzt betreten, diente wahrscheinlich als Aufenthaltsraum - sowohl vor als auch nach den Badegängen. Beim Blick nach unten sehen wir die eigentlichen Bade- und Schwitzräume. Wenn wir Raum Nr. 18 betreten, stehen wir im Frigidarium, dem Raum mit dem Kaltwasserbecken, rechts davon ist das Tepidarium, der Laubaderaum mit einem Warmwasserbecken. Über die kleine Stiege betreten wir das Sudatorium, den Schwitzraum. Heute würden wir ihn als Trocken-Sauna bezeichnen. Der nächste Raum Nr. 20 ist das Caldarium, in dem sich ein Heißwasserbecken befunden hat. Beheizt wurde das Ganze mit einer Hypokaustenheizung. Die Fußbodenheizungen der Römer wurden vom Heizraum am tiefsten Punkt betrieben-Raum 22. Heiße Luft wurde unter den Böden in die Räume geleitet. Im Raum 19 kann man Teile einer solchen Heizung noch sehen. Der Bodenaufbau mit den kleinen Türmchen zeigt, wie die heiße Luft unter dem Boden bis zu den seitlichen Wandöffnungen strömte. Kaminartiger Luftzug wärmte die Wände. Die kleinen Apsiden, diese halbrunden Bögen an den warmen Räumen und im achteckigen Aufenthaltsraum, weisen auf besonderen Luxus hin. Raum 14 mit einer weiteren Abside war ebenfalls mit einer Schlauchheizung versehen. Dieser Raum ist auch schon der letzte auf unserer Tour durch die antike Villa Rustica.

Wir haben nun alle Räume besichtigt und kehren in den Innenhof zurück, durch den wir die Villa nun verlassen werden. Während Sie sich durch das Anwesen bewegt haben, haben Sie sich vielleicht gefragt, wer so eine Villa wohl besessen haben könnte. Dazu wissen aber leider auch wir nur wenig. Wir haben einzig eine Grabtafel gefunden, die auf eine Familie Turbonii hinweist, die in Flavia Solva bekannt war. Diese Tafel ist auf der dreiseitigen Infosäule abgebildet. Wir haben im Rahmen eines Leaderprojektes, das mit Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Landes Steiermark gefördert wurde, die Infotafeln erneuert, eine Beleuchtung mit Videoüberwachung und ein Modell aufgestellt. Außerdem wurde die Villa von der Gemeinde Hartberg Umgebung restauriert. Falls Sie noch mehr über unsere Villa erfahren möchten, schauen sie doch im Museum der Stadt Hartberg vorbei, das dieser großartigen Anlage einen eigenen Raum widmet. Auch in Eggenberg in Graz sind einige Funde vor allem Grabtafelstücke ausgestellt. Im Namen der Gemeinde Hartberg Umgebung, die im Besitz der Ausgrabungsstätte ist und des Vereins Villa Rustica, der sich um Führungen und Veranstaltungen kümmert, bedanken wir uns für Ihren Besuch und sagen nun „valete!“

Die Attraktivierung und Sanierung wurde im Rahmen des Programmes zu Entwicklung des ländlichen Raumes LEADER 2014-2020 mit Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Land Steiermark gefördert.

Sprecher: Martin Stögerer
Technische Umsetzung: digimatik GmbH